Aug 21
2015

Clean Label: Besser Essen ohne E-Nummer?

Wenn man sich die Trends in der Lebensmittelbranche anschaut, dann gehört „Clean Label“ seit Jahren zu den Spitzenreitern. Aber was heißt das eigentlich – ein sauberes Etikett?

Immer mehr Verbraucher wollen Lebensmittel, die keine Zusatzstoffe enthalten – diese sind in der Regel mit E-Nummern gekennzeichnet. Ein Etikett, das keine E-Nummern aufweist, gilt demnach als „sauberes Etikett“, Clean Label. Häufig wird auch auf der Verpackung explizit darauf hingewiesen: „Ohne künstliche Farbstoffe“, oder „ohne Geschmacksverstärker“.

In unseren Köpfen ist seit vielen Jahren verankert: E-Nummer ist böse, keine E-Nummer ist gut. Dabei ist die E-Nummer erst mal nur eines: Eine Nummer, die besagt dass ein bestimmter Stoff das Zulassungsverfahren der Europäischen Union durchlaufen hat und als gesundheitlich unbedenklich klassifiziert ist. Die E-Nummern werden also beispielsweise für Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Emulgatoren, Stabilisatoren, verschiedene Süßungsmittel, Antioxidantien und viele mehr vergeben. Viele Verbraucher ziehen den Schluss, dass eine E-Nummer immer ein Hinweis darauf ist, dass ein Stoff künstlich bzw. schädlich ist. Auch Zuckerkulör, Isomalt, einige natürliche Farbstoffe sowie Lycopin aus Tomatenschalen gelten als Zusatzstoffe und tragen folglich eine E-Nummer, werden vom Verbraucher aber als natürlich eingestuft und als positiv wahrgenommen.

Obgleich eine E-Nummer also zunächst erst einmal eine neutrale und einheitliche Prüf- und Kennzeichnungsnummer ist, haben viele Hersteller von Lebensmitteln auf den „Clean Label“-Trend reagiert. So werden heute viele Süßwaren, Joghurts, Getränke und zahlreiche andere Lebensmittel nicht mehr mit künstlichen Farbstoffen hergestellt, sondern mit so genannten „Färbenden Lebensmitteln“. Dies sind färbende Konzentrate aus Früchten, Gemüse oder sogar Algen, die nicht als Zusatzstoffe gelten.

Auch modifizierte Stärke verschwindet aus immer mehr Zutatenlisten. Zum Binden industriell hergestellter Suppen und Saucen werden zunehmend Mehle eingesetzt, die nur physikalisch behandelt wurden und im Gegensatz zum normalen Weizenmehl keine „Haut“ bilden. Hier hat ganz klar der Verbraucherwille die Industrie dazu gebracht, nach sinnvollen Alternativen zu suchen.

Interessanterweise bedeutet dieser Trend auch ein Comeback für Zutaten, die als „Out“ galten, wie zum Beispiel Gelatine. Dieses allergenfreie Lebensmittel wird heute wieder in vielen Produkten zum Gelieren, Verdicken oder Stabilisieren genutzt und findet auch in der ambitionierten Hobbyküche wieder seinen verdienten Platz.

Umgekehrt kann aber auch das „saubere Etikett“ manchmal in die Irre führen, denn häufig werden bestimmte Zusatzstoffe einfach durch andere Stoffe ersetzt. Produkte „ohne Geschmacksverstärker“ können also durchaus geschmacksverstärkenden Hefeextrakt enthalten.

Zusammenfassend kann man also sagen: Eine E-Nummer macht ein Lebensmittel weder gut noch schlecht, und ein „Cleanes Label“ ist nicht immer eine Heilsgarantie. Kaum eine Branche wird so streng überwacht wie die Lebensmittelindustrie – und am Ende entscheidet jeder selbst, was im Einkaufswagen und im Magen landet.

 

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