Okt 4
2016

Reset in Friedborn

Morgens Gymnastik, mittags Rohkost, nachmittags Wandern, abends Suppe. Kein Fernsehen, kein Internet. Kein Kaffee, Zigaretten oder Alkohol schon gar nicht. „Das ist doch kein Urlaub“, oder: „Und das machst Du freiwillig?“ waren die verwunderten Kommentare meiner Freunde.

Zehn Tage im Kur- und Gesundheitszentrum Friedborn im Südschwarzwald – diesen Aufenthalt habe ich für mich gebucht, als ich das Gefühl hatte, dass mir Urlaub nicht ausreicht, dass ich echte Regeneration brauche. Und genauso stand das dann auch auf der Website des Hauses.

An einem Sonntagmittag kam ich dann also in Friedborn bei Rickenbach an – von der Straße aus geht es in einen Waldweg und an einem Bauernhof vorbei, und dann ist man da.

Gleich mal vorweg: Wer hier ein schickes Wellness-Hotel erwartet, ist an der falschen Adresse. Das Haus Friedborn ist ziemlich retro, die Zimmer schlicht und zweckmäßig eingerichtet. Und genau das, wonach ich gesucht habe: Ich will runterkommen, meine Ruhe haben, keine Ablenkung. Und schon gar keine Hotelatmosphäre. friedborn_drink  Friedborn ist ein Haus, in dem sich Menschen um sich selbst und um ihre Gesundheit kümmern. Viele der Gäste, darunter viele Stammgäste, kommen zum Fasten, andere zur Basen-Diät. Ich habe mich für die Vollwertkost entschieden. Nichts essen macht mir schlechte Laune, das ist bereits erprobt.

Meine Ankunft in Friedborn beginnt mit dem Abendessen. Suppe. Ooohhh, aber was für eine. Eine wunderbare Kürbissuppe, dazu Polenta. Und Vollkornbrot, Käse, Aufstriche, Kräuter aller Art. Als Dessert ein Brei aus Leinsamen und Trockenfrüchten, dazu Kompott. In Friedborn heißt das „Molino“ und wird von den einen verschmäht, von den anderen geliebt. Ich gehöre zur zweiten Gruppe und freue mich jeden Abend darauf. Und jeden Morgen, wenn ihr wisst was ich meine.

Nach dem Essen beziehe ich mein Zimmer, Südbalkon mit herrlichem Blick ins Tal und bis zu den Schweizer Alpen. Das Zimmer selbst ist einfach eingerichtet: Bett, Schreibtisch, Schrank. Kleines Bad mit Dusche, blitzsauber alles. Mehr braucht´s nicht. Und ein Liegestuhl auf dem Balkon, den ich häufig nutzen werde.

Mit Shibashi in den Tag

In Friedborn beginnt der Tag gleich auf eine besondere Weise. Gymnastik? Nein, hier ist das „Shibashi“, dem Tai Chi oder Qi Gong ähnlich. Angeleitet durch Gästebetreuer Patrick Goerke stehe ich mit den anderen meist weiblichen Gästen in der kühlen Morgenluft und male 18 Figuren mit meinem Körper. Sanfte Musik begleitet mich dabei, wie ich Regenbogen in den Himmel zeichne, Wolken teile, einen Drachen aus dem Meer steigen lasse oder mit den Wildgänsen fliege. Meine Lieblingsfigur heißt: „Eine weise Frau bietet einen Pfirsich an“. Kein Wunder, so alt wie ich mich gerade fühle. Heute, an meinem ersten Tag in Friedborn, kann ich mir noch nicht vorstellen, dass ich zehn Tage später gut erholt und voller Lebensenergie wieder nach Hause fahre.

Frischkornmüsli und Koffein-Entzug

Das Frühstück ist ein Traum: Ein Frischkornmüsli mit frischem Obst, es gibt aber auch Brot und Marmelade. Alles was der Mensch braucht. Alles? Nein!!! Der Kaffee!!!! Stattdessen nehme ich Getreidekaffee, der mich immerhin durch zwei Schwangerschaften und Stillzeiten gerettet hat. Die nächsten zwei Tage habe ich heftigste Entzugserscheinungen inklusive knalliger Kopfschmerzen. Das nächste Mal reduziere ich schon zu Hause, oder ich schmuggle Nescafé ein. Jetzt bin ich jedenfalls noch Kaffee-frei und habe mir auf Anraten von Brigitte Greim Lupinenkaffee gekauft – sehr lecker.

Brigitte Greim, das ist die Seele von Friedborn. Die Tochter der Gründer führt das Haus seit 50 Jahren zusammen mit ihrem Ehemann Horst Greim und ist sprichwörtlich rund um die Uhr für ihre Gäste da.

Auch wenn Friedborn jetzt in eine Stiftung überführt wird: Das 35-Betten-Haus wird auch künftig nach den Überzeugungen der Familie ausgerichtet sein: Vollwertkost nach Are Waerland, Buchinger-Fasten, ausschließlich Bio-Lebensmittel, viel Zeit in der Natur und eine durchaus stattliche Auswahl verschiedenster Therapien und Anwendungen.

Schiele-Bad und Dauerbrause

Neben klassischen Massagen gibt es auch fernöstliche Therapieformen, die verschiedensten Bäder und Güsse, Heubad, selbst die Colon-Hydro-Therapie wird angeboten. In meinem „Spezial-Paket“ waren vier Anwendungen bereits enthalten: Zwei Massagen, ein Schiele-Fußbad und zweimal „Dauerbrause“. Die Dauerbrause war ziemlich abgefahren: Man liegt auf einer Art Liege in einer Badewanne, und hoch oben ist ein Duschkopf, den man selbst bewegen kann. Hier liegt man dann also für 30 oder 60 Minuten wie unter einem tropischen Wasserfall und lässt sich Vorder- und Rückseite kräftig beprasseln. Toll sind auch die Massagen von Bademeister und Masseur Werner Sommer, der im Haus tätig ist.

So, Zeit für´s Mittagessen. Jetzt kommt die Rohkost – aber eben nicht nur. Neben feinen Streifen von Möhren, Sellerie, Roter Bete und Radieschen gibt es herrliche Salate aus Wildkräutern, grüne Salate, leckere Dressings, alle möglichen Körner und Kräuter zum Drüberstreuen. Dazu immer Pellkartoffeln mit Quark, ganz nach Waerland. Danach gibt es noch gedämpftes Gemüse mit einer Beilage, jeden Tag was anderes, manchmal mit Tofu, manchmal mit Pilzen. Ganz einfache, superleckere Gerichte. Irgendwie frage ich mich, warum ich es zu Hause oft nicht hinkriege mich gesund zu ernähren. Geht doch!

Der verzauberte Hotzenwald

Am Nachmittag geht es dann wandern. Michael Peter ist der „Tourguide“ in Friedborn und kennt den Hotzenwald wie seine Westentasche. Er führt die Gäste an die schönsten Fleckchen, über Felder, durch den Wald, an Wasserfällen vorbei, an der gurgelnden Murg entlang (klingt schön, oder?) und zur Ruine Wieladingen. Dabei erzählt er von der spannenden Geschichte des Hotzenwalds und macht uns immer wieder auf Kleinigkeiten aufmerksam, die man im Vorbeilaufen einfach übersehen hätte. Der Biologe erklärt nochmal den Unterschied von Flechten und Moosen und zeigt uns immer wieder die kleinen und großen Wunder der Natur. Jeden Tag wird in Friedborn eine geführte Wanderung angeboten – aber man kann sich natürlich auch ausklinken und alleine losmarschieren, oder ganz was anderes machen, zum Beispiel im herrlichen Naturschwimmbad in Murg ins Wasser springen. Das ist das Schöne: Gruppenzwang gibt es nicht.

In dieser Woche wird in Friedborn noch etwas ganz Tolles angeboten: Es ist „Bauchtanzwoche“. Abend für Abend bringt uns Angelika Schmidt-Alopka dazu, die Hüften zu kreisen und dabei mächtig viel zu lachen. Ich hatte dieses besondere Angebot gar nicht auf dem Schirm, aber: In Friedborn gibt es ganz viele unterschiedliche Themenwochen. Es gibt reine Männer- oder Frauenwochen, es gibt Tanzwochen, Kochkurse, Feldenkrais, Pilates-Wochen… das Programm ist vielfältig und sehr abwechslungsreich.

Einfach mal nach Friedborn…

Die Preise fand ich übrigens mehr als fair: Ich hatte ein Spezialangebot gebucht und für 10 Tage im Zimmer mit Balkon und Alpenblick etwas über 1000 Euro bezahlt – einige Anwendungen sowie ein Arztgespräch schon inbegriffen. Und wer nicht gerade die paar Kilometer nach Bad Säckingen fährt und sich im Kurcafé Torte und Kaffee reinzieht, braucht keinen Cent an Urlaubsgeld. Schaut einfach mal hier auf die echt schöne Website, dort sind immer mal wieder Spezialangebote zu finden – und Informationen über die jeweiligen Themenwochen. Im Winter muss es in Friedborn auch traumhaft sein.

Übrigens: Shibashi mache ich noch immer (fast) jeden Morgen. Bald gibt’s dazu ein kleines Video, damit ihr die Übungen nachmachen könnt wenn ihr wollt. Und zu meiner„Neuentdeckung“ Lupinenkaffee habe ich auch schon ein Filmchen online, das ist hier : Kaffee Pino .

 

 

 

 

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Comments

  1. So kann nur jemand schreiben, der sich wirklich wohlgefühlt hat. Klingt nach einer rundum gelungenen Auszeit!

  2. Angela Nollert says:

    Finde diesen Beitrag einmalig, die Anne spricht mir aus der Seele. Friedborn ist einmalig schön!!!!!Kann es nur jedem empfehlen, wer einmal dort war wird wieder kommen.Lieben Gruß an das ganze Team

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