Sep 17
2015

Kaffee: Echt fair, oder?

Ein Beitrag von Elke Matuschek (Kontakt)

Vom 11. bis 25. September ist „Faire Woche“. Oder besser: Sind „faire Wochen“. Alles dreht sich um Fair Trade. Weltläden, Schulen, Supermärkte, Gaststätten und viele andere Einrichtungen sind dazu angehalten, die Idee des „Fairen Handels“ durch Events und kreative Aktionen zu bewerben.

Also, ich kaufe seit einigen Monaten meinen Kaffee beim fairen Onlinehändler, weil ich fest davon überzeugt bin, dass ich dadurch eine gute Sache unterstütze. Und ich habe wirklich ein gutes Gefühl dabei. Aber ich muss für mein Pfund Kaffee natürlich tief in die Tasche greifen: Während Supermarktkaffee von Tchibo im Angebot 4,69 Euro kostet, bekomme ich für das gleiche Geld gerade mal 250 Gramm Fair-Trade-Kaffee von Ethiquable. Oder andersrum formuliert: Fairer Kaffee ist doppelt so teuer wie herkömmlicher Kaffee! Das haut natürlich ins Budget, wahrscheinlich auch, weil ich neben Kaffee auch gleich noch Bananenchips, Tee und Schokolade aus fairem Handel mitbestellt habe…

Aber zurück zum Kaffee: Geschmacklich ist der Neue sehr gut. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich mehrere Sorten Fair-Trade-Kaffe testen musste, bis ich einen gefunden habe, der mir schmeckt.

Und die Kosten? Ich bin bereit, den hohen Preis für meinen Fair-Trade-Kaffee zu bezahlen, wenn ich dafür wirklich einen Beitrag zu besseren Arbeits- und Lebensbedingungen in Ländern des Kaffeeanbaus leisten kann. Den Bauern, die sich dem Fairtrade-System angeschlossen haben, werden Mindestpreise garantiert. Das ist doch schonmal ein Anfang.

Fair Trade: Streng kontrolliert

Dass die strengen Vorgaben des Fairen Handels auch wirklich eingehalten werden, darum kümmern sich verschiedene Kontrollinstanzen: Zum einen gibt es Zertifizierungssysteme – eines der bekanntesten ist das von der Fairtrade Labelling Organizations International, kurz FLO . Daneben gibt es Monitoring-Systeme wie das der www.wfto.com (World Fair Trade Organization) . Während bei der Zertifizierung das Produkt im Vordergrund steht, geht es beim Monitoring der WFTO vor allem darum, ob die Organisation fair handelt.

Seit 2004 wächst der Umsatz mit Fairtradeprodukten in Deutschland kontinuierlich. Besonders 2014 war ein Superjahr für Kaffee aus Fairem Handel. Rund 16.500 Tonnen Kaffee Rohkaffee wurden im letzten Jahr eingekauft, das entspricht einem Wachstum von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt rund fünf Millionen Euro Prämien kamen zertifizierte Kaffeebauern zugute Quelle: Faitrade Deutschland

Schwarze Schafe und graue Zonen

Das System boomt – aber kommt das Geld kommt wirklich dort an, wo es ankommen soll? Zeit online berichtete im letzten Jahr, dass aus verschiedenen Zutaten zusammengesetzte Produkte wie Schokolade nicht notwendigerweise ausschließlich aus fair gehandelten Komponenten bestehen müssen. Für bestimmte Waren wie Kakao gibt es Ausnahmen – hier dürfen die Produzenten ihre Zutaten mischen. Somit kann eine Fairtrade-Schokolade Kakao aus konventionellem Kakaoanbau enthalten.

Solche Grauzonen gibt es bei Fairtrade wie bei Bioprodukten – genauso wie es überall auch schwarze Schafe unter den Händlern gibt. Und wenn ich mir es recht überlege, Schokolade kaufe ich sowieso lieber wieder beim Discounter. Mein Sohn verschlingt sie kiloweise und dafür ist mir der Preis der Fair-Trade-Variante zu hoch, meine Überzeugung vom Produkt dagegen nicht groß genug.

Aber meinem Fair-Trade-Kaffee bleibe ich vorerst treu. Zum einen, weil er mir schmeckt und zum anderen, weil ich denke, dass ich damit vielleicht doch ein ganz kleines bisschen was Gutes tun kann.

Weitere Informationen zum Fairen Handel unter Faire Woche 2015

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